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Sekundärer Bluthochdruck - die Rolle der Hormone

Störungen im Hormonhaushalt können Bluthochdruck auslösen. Beteiligt sind häufig Fehlfunktionen der Nebennieren, Nierenarterien oder Schilddrüse.

Nur bei 5 % der Betroffenen sind die Ursachen des Bluthochdrucks bekannt

Ärzte wissen nur bei etwa 5 von 100 Betroffenen, warum der Blutdruck erhöht ist. Der Grund sind dann meist organische Erkrankungen, die den Hormonhaushalt stören und den Kreislauf belasten. Der Fachausdruck für diese Form der Kreislaufstörung lautet "sekundärer Bluthochdruck" oder "sekundäre Hypertonie".

Nur bei 5 % der Betroffenen sind die Ursachen des Bluthochdrucks bekannt

Kann der Arzt diese organischen Störungen beheben, fällt meist auch der Blutdruck auf normale Werte zurück. Die Therapie des sekundären Bluthochdrucks unterscheidet sich damit grundsätzlich von der primären Hypertonie: Bei dieser wesentlich häufigeren Form spielen Lebensgewohnheiten eine entscheidende Rolle.

Häufige Auslöser des sekundären Bluthochdrucks

Hormone haben einen starken Einfluss auf den Blutdruck, Störungen in Drüsengeweben sind daher häufig Ursache der Erkrankung. Eine wichtige Rolle spielen die Nebennieren, aber auch die Schilddrüse und die Hirnanhangsdrüse können betroffen sein. Zu den eher seltenen Auslösern gehören Störungen in Blutgefäßen, Nebenwirkungen von Medikamenten, chronische Schlafstörungen und die Hormonumstellung während der Schwangerschaft.

Hormonstörungen

Primärer Hyperaldosteronismus

Das Hormon Aldosteron reguliert die Flüssigkeitsmenge im Blut und damit den Blutdruck. Produziert wird es in der Rinde der Nebennieren: Dies sind zwei kleine Drüsen von etwa vier Zentimeter Durchmesser, die am oberen Ende der Nieren aufsitzen.

Funktionsstörungen der Nebennieren können dazu führen, dass zu viel Aldosteron freigesetzt wird und der Blutdruck steigt1. Als Ursache kommen gutartige Geschwulste - Adenome genannt - oder eine allgemein übersteigertes Wachstum der Nebennieren infrage. In sehr seltenen Fällen können auch Erbkrankheiten beteiligt sein.

Der primäre Hyperaldosteronismus gilt als einer der häufigsten Ursachen von sekundärem Bluthochdruck. Sind Adenome beteiligt, können sie oftmals minimal-invasiv entfernt werden. Alternativ ist auch eine Therapie mit Mineralokortikoid-Antagonisten möglich; diese Medikamente müssen lebenslang eingenommen werden.

Phäochromozytom

In seltenen Fällen bilden sich Tumore im Inneren - dem Mark - der Nebennieren oder in bestimmten Nervenbahnen. Diese meist gutartigen Wucherungen werden Phäochromozytome genannt. Sie produzieren große Mengen der Hormone Adrenalin und Noradrenalin, die unter anderem das Herz und die Blutgefäße stimulieren und so den Blutdruck steigen lassen.

Phäochromozytome treten oft bei jungen Patienten auf, auch weil eine entsprechende Veranlagung familiär vererbt werden kann. Manche Betroffene leiden unter dauerhaft erhöhtem Blutdruck, bei anderen tritt er in unregelmäßigen Abständen auf. Kopfschmerzen, Schweißausbrüche und Herzrasen kommen als weitere Symptome hinzu. Der Tumor wird in der Regel in einer Operation entfernt: Wird er frühzeitig erkannt, sind die Aussichten auf Heilung gut.

Hypercortisolismus oder Cushing-Syndrom

Ein erhöhter Cortisolspiegel im Blut kann ebenfalls Bluthochdruck auslösen. Die Ursache ist meist eine Langzeittherapie mit Cortison-Präparaten (exogenes Cushing-Syndrom), seltener kommen auch Veränderungen von Körperdrüsen infrage. Bei diesem endogenen Cushing-Syndrom sind oftmals die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und die Nebennieren betroffen.

Diese Hormonstörung greift an vielen Stellen in den Stoffwechsel ein, die Symptome umfassen ungewöhnliche Fettansammlungen im Körper, Veränderung der Haut und Muskelschwund. Als Therapie werden die Ärzte meist versuchen, die Quelle des überschüssigen Cortisol aus dem Körper zu entfernen.

Erkrankungen der Schilddrüse

Die Schilddrüse produziert Hormone, die den Stoffwechsel des Körpers steuern. Eine Überfunktion der Schilddrüse steigert die Leistung des Herzens - die Folge ist fast immer ein erhöhter Blutdruck2. Aber auch eine andauernde Unterfunktion kann den Blutdruck erhöhen, da die Blutgefäße ihre Elastizität verlieren und so den Kreislauf belasten.

Medikamente können die Funktion der Schilddrüse meist gut regulieren, in der Regel fällt dann auch der Blutdruck wieder auf normale Werte zurück.

Verengung der Nierenarterie

Zu hoher Blutdruck schädigt die Nieren, aber manchmal ist die Reihenfolge umgekehrt: Eine Verengung der Nierenarterien ist dann die Ursache für den Bluthochdruck3. Diese sogenannte Nierenarterienstenose setzt eine komplizierte Kaskade (das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System) in Gang, an deren Ende sich Blutgefäße im ganzen Körper zusammenziehen und das Herz zu einer erhöhten Pumpleistung zwingen.

Es passiert eher selten, dass Nierenarterien einen sekundären Bluthochdruck verursachen, das Risiko nimmt jedoch mit dem Alter zu. Als Therapie können Ärzte das verengte Gefäß mit einem Ballon-Katheter weiten oder einen Bypass um die Nierenarterie legen.

Arzneimittel

Eine unerwünschte Nebenwirkung mancher Therapien ist die Erhöhung des Blutdrucks. Darunter fallen gängige Medikamente wie Schmerzmittel zur Behandlung von Rheuma, die Antibaby-Pille, einige Appetitzügler und Cortison (siehe Cushing-Syndrom). Aber auch der Konsum des Aufputschmittels Amphetamin oder der Droge Kokain haben einen ähnlichen Effekt.

Schwangerschaft

Auch während der Schwangerschaft kann sich Bluthochdruck einstellen. Nur etwa sechs bis acht Prozent aller Schwangeren sind davon betroffen, aber das Risiko steigt deutlich, wenn Frauen bereits ein Alter von 40 Jahren erreicht oder überschritten haben. Eine Form dieses Hochdrucks wird Präeklampsie genannt: Sie kann ernste Folgen für Mutter und Kind haben und muss sorgfältig beobachtet werden.

Schlafapnoe

Eine Verengung der oberen Atemwege gehört zu den Ursachen einer schweren Schlafstörung, des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms. Die Atmung ist dann stark erschwert und führt zu einem Sauerstoffmangel, der die Betroffenen nachts mehrfach aus dem Schlaf reißt. Dem Körper fehlen die Erholungsphasen, was letztlich den Kreislauf belastet und einen Risikofaktor für Bluthochdruck darstellt4.

Quellen und weiterführende Literatur

  • 1 Siebenand et al., Bluthochdruck: Ausnahmen von der Regel, Pharmazeutische Zeitung, Mai 2012 (Link)
  • 2 H. Zieren, Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), Deutsches Schilddrüsenzentrum, abgerufen März 2021 (Link)
alle Referenzen anzeigen
  • 3 A. Lauber, Nierenarterienstenose, apotheken.de, März 2019 (Link)
  • 4 D. Linz, Schlafapnoesyndrom, Universitätsklinikum des Saarlandes, abgerufen März 2021 (Link)
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Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel gibt den aktuellen Stand des Wissens wider. Er enthält jedoch nur allgemeine Hinweise, die nicht für eine Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung geeignet sind. Einen Arztbesuch kann er auf keinen Fall ersetzen.

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